Das Bewerbungsschreiben hat noch nicht ausgedient

Das Bewerbungsschreiben hat noch nicht ausgedient
Foto: iStock/AndreyPopov

Von klassischen Bewerbungsunterlagen bis zur Videobewerbung erscheinen die Möglichkeiten grenzenlos. Das klassische Bewerbungsschreiben bleibt – noch. Doch welche Alternativen gibt es?

Treffen der Generationen am Arbeitsmarkt

Babyboomer sowie die Generationen X, Y und Z treffen am Arbeitsmarkt aufeinander. Zu welcher Generation gehören Sie? Zwischen den Geburtsjahrgängen 1955 bis 2010 liegen Welten. So auch bei der Jobsuche. Durch den Trend mobile first sind Bewerbungen zu jedem Zeitpunkt von überall aus möglich. Ein Smartphone oder Tablet hat heute fast jeder in der Tasche.

Hürden und Potenzial beim Bewerben über Mobilgeräte

Vorausgesetzt die Technik funktioniert einwandfrei, ist die mobile Bewerbung äußerst praktisch. Für die Generation Y und Z ist diese Bewerbungsmöglichkeit sogar ein Muss-Kriterium. Das mobile Surfen ist zum Standard geworden und mühsame, lange Formulare werden nicht mehr akzeptiert. Dennoch haben manche Unternehmen Ihre Karrierewebsite noch nicht mobiloptimiert. Die Jobsuche endet im Frust, wenn ein Bewerbungsformular am Smartphone unlesbar oder schlecht bedienbar ist. Das Tippen ohne Tastatur ist mühsam und auf die Autokorrektur ist nicht immer Verlass. Wenn Ihnen die Jobposition sehr gut entspricht, ist es in dem Fall besser, die Bewerbung von einem Laptop oder PC aus zu versenden.

Apps, Chatbots und Videos erleichtern die mobile Bewerbung

  • Bewerbung über eine App: Speichern Sie von einem PC aus Ihren Lebenslauf und Zeugnisse in einer Bewerbungs-App ab. Sie werden unterwegs auf einen interessanten Job aufmerksam? Eine vollständige Bewerbung funktioniert nun über einen einzelnen oder über wenige Klicks. Ihre gespeicherten Daten werden übertragen und ein Motivationsschreiben ist meist hinfällig.

Eine gängige Methode ist, dass Sie in der App Fragen des potenziellen Arbeitgebers beantworten. Anhand Ihrer Antworten und Ihres Lebenslaufs macht sich ein Recruiter ein Bild über Sie. So kann er überprüfen, ob Sie für den Job in Frage kommen.

  • Ein Job-Chatbot stellt und beantwortet Fragen: Er arbeitet sich Frage für Frage mit Ihnen gemeinsam durch alle berufsrelevanten Fakten durch. Dabei gibt er meistens vordefinierte Antworten zur Auswahl an.

Derzeit gibt es nur vereinzelt Job-Chatbots. Falls ein Unternehmen bereits einen hat, kann dieser auf unterschiedliche Arten für Sie erscheinen. Er öffnet sich automatisch, wenn Sie länger auf einer Karriereseite bleiben. So erkennen Sie einen Chatbot: Meist erscheint im rechten unteren Eck des Bildschirms eine Sprechblase oder ein anderes Symbol. Oder Sie finden im Text einen klickbaren Link, der Sie zu einem Bot im Facebook Messenger weiterleitet. Wichtig ist, dass Sie unterwegs eine stabile Internetverbindung und noch genügend Akku haben, um mit dem digitalen Assistenten den gesamten Bewerbungsprozess zu durchlaufen.

Hinter einem Chatbot steckt häufig künstliche Intelligenz und der virtuelle Assistent lernt mit jeder gestellten Frage dazu. Ein einigermaßen intelligenter Bot beantwortet Ihnen Fragen zum Job, zum Bewerbungsprozess sowie zum Unternehmen. Je intelligenter der Bot, desto eher werden Sie das Gefühl haben, mit einem Menschen zu kommunizieren.

  • Videobewerbungen präsentieren Sie noch vielfältiger als Fotos: In einem Motivationsschreiben beschreiben Sie nur mittels Worten Ihre Persönlichkeit und Ihre Motivation. Sichtbarer wird Ihre Persönlichkeit in einer Videobewerbungen. Diese haben sich noch nicht vollständig durchgesetzt. Der Trend zeigt jedoch, dass Videobewerbungen an Beliebtheit gewinnen.

Abhängig von der App oder dem verwendeten Bot, kann es vorkommen, dass Sie eine begrenzte Anzahl an Versuchen haben, um Ihr Bewerbungsvideo optimal zu gestalten. Für den Fall, eines einzigen verfügbaren Versuches, hilft es, wenn Sie sich einige Punkte im Vorhinein überlegen. Was möchten Sie über sich erzählen? Haben Sie eine Idee, die Sie deutlich unter allen Kandidaten herausragen lässt, weil sie einzigartig und kreativ ist. Passt der Hintergrund Ihres Sitzplatzes für eine Bewerbung? Sehen Sie gepflegt beziehungsweise der Job-Position entsprechend aus?

Nicht nur Sie sind internetaffin, sondern auch Personaler

Sind Sie es leid, aktiv Bewerbungen zu versenden? Dann lassen Sie sich auf Karriereplattformen und -netzwerken finden. Dafür geeignet sind Xing und LinkedIn. Xing ist im deutschsprachigen Raum verbreitet und LinkedIn ist das internationale Pendant dazu. Der Vorteil beider Netzwerke liegt darin, dass Sie sich mit Ihrem Umfeld vernetzen und Kontakte aufrechterhalten. Ein weiterer Pluspunkt: Xing und LinkedIn Profile ermöglichen bei vielen Jobplattformen und Unternehmen eine direkte Bewerbung mit einem Klick.

7 Tipps, wie Sie für Personalspezialisten besser sichtbar werden

  • Halten Sie Ihr Xing/LinkedIn Profil aktuell und vermeiden Sie No-Gos auf Karriereprofilen.
  • Recruiter suchen bevorzugt nach Ihren Kenntnissen und nach der “Ich biete”-Sektion. Widmen Sie diesen Bereichen viel Aufmerksamkeit. Nennen Sie relevante Fähigkeiten, über die Personalisten Sie finden sollen.
  • Weniger ist mehr: . In Ihrem Profil sollte eindeutig erkennbar sein, nach welchen Herausforderungen Sie suchen. Personalisten erkennen damit auf den ersten Blick, wo Ihre Spezialbereiche liegen.
  • Verwenden Sie ein professionelles Bewerbungsfoto. Urlaubsfotos und Co sind hier fehl am Platz.
  • Falls Sie ein Spezialgebiet haben: Vermarkten Sie sich selbst. Schreiben Sie über Fachinhalte und veröffentlichen Sie diese in Ihrem Profil und in Experten-Gruppen oder über Social Media.
  • Sie haben bereits gekündigt? Setzen Sie ein Signal, indem Sie Ihren aktuellen Job auf “arbeitssuchend” oder “offen für Angebote” umstellen.
  • Zeigen Sie Persönlichkeit! Hobbys, Interessen, Wertvorstellungen und Ihr Lebensmotto verraten, wie gut Sie in das Unternehmen und in die Unternehmenskultur passen. Die Rede ist hier vom Cultural Fit.

In Karrierenetzwerken lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit gezielt auf auf Ihre Berufserfahrungen und Fähigkeiten. Bei privaten Social Media Profilen ist das Gegenteil der Fall. Stichwort Party- und Urlaubsfotos. Achten Sie hier auf Ihre Privatsphäre-Einstellungen. Ist Ihr Profil öffentlich sichtbar, werden auch Personalisten beim Googeln Ihre Privatfotos finden.

Bewerbungen richten sich stark nach digitalen Trends. Die eine einzige Variante zur Bewerbung wird es wahrscheinlich nie geben. Derzeit reicht die Bandbreite von Mails über Apps bis hin zu Chatbots und Karriereprofilen. Bei Mails gehören Anschreiben und Lebensläufe meist noch dazu. Weniger aufwändig ist Ihr Part bei Chatbots und Karriere-Netzwerken. Bots erleichtern Ihnen den Bewerbungsprozess, in dem sie Sie Schritt für Schritt durch den Bewerbungsprozess lotsen. Auch Karriereprofile nehmen Ihnen das Erstellen von umfangreichen Bewerbungsunterlagen ab. Sie können sich schneller bewerben und die Chance auf einen Beruf mit Möglichkeit zur Selbstverwirklichung erscheint greifbar und näher.

Dieser Artikel ist eine unentgeltliche Kooperation mit epunkt

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