Neue Bewerbungstrends: Alles, was Sie wissen müssen

Das Bewerbungsschreiben hat noch nicht ausgedient
Foto: iStock/AndreyPopov
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Von klassischen Bewerbungsunterlagen, über One-Click-Bewerbung bis zum Bewerbungsvideo. Die Möglichkeiten auf dem Bewerbermarkt scheinen grenzenlos. Was sind die aktuellen Bewerbungstrends? Tipps von Personalberaterin Evelyn Zezula.

Online-Bewerbung

Diese als Trend zu bezeichnen, ist längst überholt, denn die Online-Bewerbung ist seit vielen Jahren die gängigste Art der Bewerbung. Es ist die Bewerbung mit Lebenslauf und Motivationsschreiben per E-Mail oder auch das Ausfüllen von Bewerbungsformularen auf Karriere-Seiten von Firmen.

Vorteile: Kein Papier. Saubere Dokumente. Kein Postweg. Allgemein bekannt.

Nachteile: Könnte aufwändig werden, wenn man sich von der Masse abheben will (Layout, Motivationsschreiben).

Mobile Recruiting

Alle folgenden Beispiele der Bewerbungstrends – auch die Social Media-Präsenz summieren wir unter das Schlagwort „Mobile Recruiting“. Es lässt sich mittlerweile kaum mehr die herkömmliche Internetnutzung von der mobilen Nutzung separieren. Wir kaufen über Smartphones ein, lassen uns Essen liefern, betreiben damit Sport, konsultieren den Arzt oder Psychologen und suchen auch neue Jobs. Technisch herausfordernd für Unternehmen: Webseiten, Karriereseiten und Jobausschreibungen (und Apps sowieso) müssen für mobile Endgeräte optimiert sein. Responsive Design ist das Gebot der Stunde für anbietende Unternehmen. Je einfacher und unkomplizierter ein Recruiting-Verfahren angeboten wird, desto mehr Reichweite und Leads generiert man.

Vorteile: Schnellere und einfachere Verfügbarkeit von Informationen, verkürzte Bewerbungszeit (zumindest für Bewerber).

Social Media-Präsenz und Active Sourcing:

Lassen Sie sich finden! Legen Sie ein aussagekräftiges Profil auf den bekannten Plattformen XING, LinkedIn oder DER STANDARD mit Ihren Kontaktdaten an. Dann werden Sie bei Interesse rasch gefunden, angerufen oder angeschrieben. Hier gelten die gleichen Regeln wie für einen Lebenslauf: Professionelles Foto, Auflistung der letzten beruflichen Stationen und mit Bulletpoints die Tätigkeiten kurz beschreiben.

In Karrierenetzwerken lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit gezielt auf Ihre Berufserfahrungen und Fähigkeiten. Bei privaten Social Media Profilen ist das Gegenteil der Fall. Stichwort Party- und Urlaubsfotos. Achten Sie hier auf Ihre Privatsphäre-Einstellungen. Ist Ihr Profil öffentlich sichtbar, werden auch Personalisten beim Googeln Ihre Privatfotos finden.

Befüllen Sie den Bereich „Ich biete“ und „Ich suche“ mit den für Sie relevanten Keywords, nach denen Sie gefunden werden wollen.

Vorteile: Sie werden bei Interesse aktiv kontaktiert. Das Interesse an Ihnen wurde schon mal geweckt. Aber Vorsicht: Nun sollten Sie mit Motivation und Engagement punkten.

Nachteile: Sie hinterlassen auch hier digitale Footprints.

One-Click-Bewerbung

Hier ist nicht eine herkömmliche E-Mail mit den Bewerbungsunterlagen gemeint. Bewerbende können ihr Profil aus XING, LinkedIn oder einem anderen beruflichen Netzwerk /Datenbank mit nur einem Klick hochladen. Meist wird dabei auf ein Motivationsschreiben verzichtet.

Vorteil: Rasch, unkompliziert, wenig Aufwand, zeitsparend.

Nachteil: Wer die Qualifikationen nicht zu 100 Prozent erfüllt, hat keine Möglichkeit, mit seiner Motivation zu überzeugen.

Bewerbungs-Apps

Diese müssen einen klaren Mehrwert gegenüber mobil optimierten Karriereseiten haben. Man sieht ein Inserat, swipt nach links, damit es nicht mehr angezeigt wird oder bei Gefallen nach rechts und übermittelt dem Unternehmen seine Kontaktdaten. Idealerweise kann auch der CV gleich mitgeschickt werden. Beim Unternehmen wird ein Lead angezeigt. Recruiter brauchen diesem einfach nur nachgehen.

Vorteil: Einfache Bedienung für die Bewerberinnen und Bewerber.

Nachteil: Eventuell kann man den Überblick über all seine Bewerbungen verlieren, wenn man viele Apps verwendet. Deshalb dokumentieren Sie Ihre Bewerbungen genau.

Chatbots

Tendenziell werden Bots eher von großen internationalen Konzernen aus Effizienzgründen genützt. Es handelt sich um textbasierte Dialogsysteme. Man chattet mit einem technischen System, nicht mit einer Person. Technisch sind diese Bots eher mit Volltextsuchmaschinen vergleichbar. Je mehr Daten diesen automatisierten Systemen zugrunde gelegt wurden, desto eher sind sie imstande, intelligentere Dialoge für Nutzer anzubieten. Hier sind auf Anbieterseite hohe Computerleistung und Programmierung gefragt. Chatbots führen die Bewerber Schritt für Schritt durch den Bewerbungsprozess.

Vorteile: Ein gut ausgebauter Chatbot beantwortet Fragen zum Unternehmen und zum Bewerbungsprozess.

Nachteile: Der Chatbot gibt vordefinierte Antworten vor. Es ist ein sehr standardisierter Prozess, der keinen Raum für eine kreative Bewerbung zulässt.

Videobewerbung

Mit einer Bewerbung per Video geben Sie Ihrem Lebenslauf den letzten Schliff. Damit können Sie sich wirklich von der Masse an Bewerbungen deutlich abheben. Das Video soll den tabellarischen Lebenslauf nicht ersetzen, sondern um Ihre persönliche Note ergänzen. Sie hauchen dem CV Leben ein und geben den Personalern in 1 Minute Video einen kurzen Einblick in Ihre Persönlichkeit.

Vorteile: Sie stechen hervor. Sie bleiben in Erinnerung, denn Bilder merkt man sich leichter. Es gibt noch nicht viele Bewerbungsvideos.

Nachteile: Technisch aufwändig(er). Eventuell mit Kosten verbunden.

7 Tipps, wie Sie für HR-Spezialisten besser sichtbar werden

Natürlich sind nicht nur Bewerberinnen und Bewerber internetaffin, sondern auch die Personalverantwortlichen. Um für Ihren gewünschten Bereich gut auffindbar zu sein, beachten Sie folgende Tipps:

  1. Halten Sie Ihr Karriereprofil aktuell und vermeiden Sie No-Gos auf Karriereprofilen.
  2. Recruiter suchen bevorzugt nach Ihren Kenntnissen und nach der “Ich biete”-Sektion. Widmen Sie diesen Bereichen viel Aufmerksamkeit. Nennen Sie relevante Fähigkeiten, über die Personalisten Sie finden sollen.
  3. Weniger ist mehr: In Ihrem Profil sollte eindeutig erkennbar sein, nach welchen Herausforderungen Sie suchen. Personalisten erkennen damit auf den ersten Blick, wo Ihre Spezialbereiche liegen.
  4. Verwenden Sie ein professionelles Bewerbungsfoto. Urlaubsfotos und Co sind hier fehl am Platz.
  5. Falls Sie ein Spezialgebiet haben: Vermarkten Sie sich selbst. Schreiben Sie über Fachinhalte und veröffentlichen Sie diese in Ihrem Profil und in Experten-Gruppen oder über Social Media.
  6. Sie haben bereits gekündigt? Setzen Sie ein Signal, indem Sie Ihren aktuellen Job auf “arbeitssuchend” oder “offen für Angebote” umstellen.
  7. Zeigen Sie Persönlichkeit! Hobbys, Interessen, Wertvorstellungen und Ihr Lebensmotto verraten, wie gut Sie in das Unternehmen und in die Unternehmenskultur passen. Die Rede ist hier vom Cultural Fit.

Bewerbungen richten sich stark nach digitalen Trends. Derzeit reicht die Bandbreite von Mails über Apps bis hin zu Chatbots und Karriereprofilen. Bei Mails gehören Anschreiben und Lebensläufe meist noch dazu. Weniger aufwändig ist Ihr Part bei Chatbots und Karriere-Netzwerken. Bots erleichtern Ihnen den Bewerbungsprozess, in dem sie Sie Schritt für Schritt durch den Bewerbungsprozess lotsen. Auch Karriereprofile nehmen Ihnen das Erstellen von umfangreichen Bewerbungsunterlagen ab. Sie können sich schneller bewerben und die Chance auf einen Beruf mit Möglichkeit zur Selbstverwirklichung erscheint greifbar und näher.


Evelyn Zezula, MBA ist Geschäftsführerin der Personalberatung UNIQUE CONNEXXXION.


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