Gender Pay Gap: Wie hoch ist die Einkommensschere?

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Auch in Österreich existiert der Gender Pay Gap. Er besagt, dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer. Wie hoch der Unterschied ist, woran das liegt und was dagegen getan wird.

Das Einkommen ist zwischen Frauen und Männern nach wie vor ungerecht verteilt. Auf ein Arbeitsleben gerechnet verdienen Frauen in Vollbeschäftigung laut Arbeiterkammer Oberösterreich durchschnittlich 500.000 Euro weniger als Männer. In Österreich schließt sich die Einkommensschere nur sehr langsam. Sie würde noch mehrere Jahrzehnte benötigen um vollständig zu verschwinden, wenn sie im selben Tempo wie bisher angepasst wird. Damit Frauen und Männer rascher gleich viel verdienen, fordern Interessensvertretungen laufend unterschiedliche Maßnahmen.

Was versteht man unter dem Gender Pay Gap?

Der Gender Pay Gap bedeutet, dass Frauen weltweit und in Österreich weniger verdienen als Männer. Der Einkommensunterschied wird mit dem EU-Indikator Gender Pay Gap dargestellt. In Österreich lag dieser vor Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich über dem EU-Schnitt von 13 Prozent. Am gleichwertigsten ist das Einkommen zwischen Frauen und Männern in Schweden und Dänemark verteilt.

Wie hoch ist der Gender Pay Gap in Österreich?

Der Gender Pay Gap in Österreich liegt aktuell bei 12,7 Prozent. Das heißt, dass Frauen in Vollzeitbeschäftigung im Schnitt um 12,7 Prozent weniger Gehalt bekommen als Männer. Die Berechnung der geschlechterspezifischen Einkommensschere basiert auf dem Vergleich von Frauen und Männern in Vollzeitarbeit. Wenn auch Teilzeit-Kräfte in die Statistik miteinbezogen werden, verdienen Frauen laut Arbeiterkammer um 35 Prozent weniger als Männer.

Wichtig zu wissen: Die Daten für den Gender Pay Gap 2022 stammen aus dem Corona-Jahr 2020. Deshalb hat sich der Einkommensunterschied im Vergleich zu den Vorjahren zwar statistisch verkleinert. Das liegt aber nicht etwa an gestiegenen Löhnen für Frauen. Der Grund dafür ist vielmehr, dass Männer in der Corona-Pandemie aufgrund von Kurzarbeit und anderen Umständen weniger verdient haben.

Der Gap in Zahlen

  • Frauen in Vollzeitbeschäftigung verdienen aktuell im Schnitt um 12,7 Prozent weniger als Männer.
  • Umgerechnet heißt das: Frauen arbeiten 46 Kalendertage im Jahr unbezahlt – oder jedes ganze achte Jahr.
  • Arbeiterinnen verdienen um 26,9 Prozent, weibliche Angestellte um 29,9 Prozent, weibliche Vertragsbedienstete um 4,8 Prozent weniger als Männer mit vergleichbaren Tätigkeiten. Nur Beamtinnen haben am Ende des Monats ums 5,7 Prozent einen höheren Betrag am Lohnzettel stehen als Beamte.
  • Die Einkommensschere von Frauen und Männern ist je nach Bundesland enorm. In Wien, wo es mehr Kinderbetreuungseinrichtungen gibt, beträgt der Einkommensunterschied 4,2 Prozent, in Vorarlberg 22,2 Prozent.
  • Der Gender Pay Gap wirkt sich nicht nur auf die Lebensqualität aus, sondern auch auf die Pension. Frauen leben zwar länger, haben aber eine niedrigere Alterspension als Männer. Aktuell bekommen Frauen weniger als die Hälfte der Pensionen von Männern.

Welche Gründe hat die Einkommensschere

Die ungleiche Verteilung von Einkommen zwischen Frauen und Männern hat mehrere Gründe. Logisch erklären lässt sich die Einkommensschere laut einer Berechnung von Statistik Austria nur zu rund einem Drittel, etwa aufgrund von Faktoren wie Branche oder Unternehmensgröße. Zwei Drittel der ungleichen Einkommensverteilung können nicht mit objektiven Kriterien erläutert werden.

Ein Teil des Gender Pay Gaps ist laut Arbeiterkammer auf Diskriminierung zurückzuführen: Frauen verdienen oft grundsätzlich weniger als Männer mit gleichen Tätigkeiten und in denselben Funktionen. Ein weiterer Grund ist, dass Frauen häufig in generell schlechter bezahlten und weniger hoch bewerteten Berufen arbeiten. Hinzu kommt, dass Frauen vergleichsweise oft Teilzeit-Jobs ausüben, weil sie einen Großteil der Familienarbeit leisten.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Der Gender Pay Gap kann reduziert werden, indem Unternehmen ihre Einkommensverteilung offenlegen und Frauen und Männer künftig gleichwertig bezahlen. Die Arbeiterkammer fordert außerdem den Ausbau der Kinderbetreuung und die Einführung der Familienarbeitszeit. Teilen sich Eltern die Erziehung ihrer Kinder, soll es finanzielle Anreize geben.

Zusätzlich schlägt die Arbeiterkammer eine Qualifizierungsoffensive vor, um Frauen in Zukunftsberufen auszubilden sowie mehr Unterstützung für Wiedereinsteigerinnen. Um die geschlechterspezifische Einkommensschere zu reduzieren, wird im Rahmen des Equal Pay Day jedes Jahr zu politischen Veränderungen aufgerufen.

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