Was machen Psychologinnen und Psychologen?

Psychologe
iStock.com/g-stockstudio
Lesedauer: 3 Minuten

Welche Ausbildung benötigt man für den Beruf, was sind die typischen Aufgaben und was verdient man? Wir erklären, wie ein psychologisches Erstgespräch aussieht und was der Unterschied zwischen Psychologe, Psychotherapeut und Psychiater ist.

Die Ausnahmesituation durch die Corona-Pandemie setzt vielen psychisch zu. Während der Pandemie hat sich die psychische Gesundheit bei mehr als einem Viertel der Wienerinnen und Wiener verschlechtert. Rund die Hälfte davon hatte zuvor keine psychischen Beschwerden. Das sind die alarmierenden Ergebnisse der ersten repräsentativen Studie zu den psychosozialen Folgen der Corona-Krise für Wien, die im Frühjahr 2020 durchgeführt wurde. Der Bedarf an Hilfs- und Unterstützungsleistungen ist gestiegen. Angebote wie die Corona-Sorgenhotline der Stadt Wien (zu erreichen unter 01 4000 53000) sind daher besonders wichtig.

Was sind die Aufgaben eines Psychologen/einer Psychologin?

Psychologinnen und Psychologen befassen sich mit der Erforschung des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Sie helfen ihren Patientinnen und Patienten mittels Gesprächen, indem sie zur Reflexion anregen. Zuhören und beobachten sowie das Interpretieren der Gedanken und Emotionen gehört zu den Kernkompetenzen von Psychologinnen und Psychologen. Ziel ist es, Hilfestellung bei Problemlösungen zu geben und Verhaltensänderungen zu bewirken. Die Einsatzfelder gehen aber weit über die Gesundheitsbranche hinaus. Tätigkeitsbereiche sind beispielsweise Marketing, Meinungsforschung, Human Resources (Personalentwicklung und Recruiting), Unternehmensberatung, Gericht und Polizei oder Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten.

Was passiert beim Erstgespräch?

Das erste Mal beim Psychologen oder der Psychologin – davor haben viele Angst, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Der erste Termin dient dem Kennenlernen und dem Schaffen von Vertrauen. Das Erstgespräch läuft in der Regel sehr entspannt ab, auch wenn die Ursache für den Besuch unangenehm sein mag. Die Psychologin oder der Psychologe führt das Gespräch und wird Ihnen einige Fragen stellen. Meist wird geklärt, warum Sie hier sind, damit sich Ihr Gegenüber ein Bild von Ihnen und den zu Grunde liegenden Beschwerden machen kann. Sollte Ihnen eine Frage unangenehm sein, müssen Sie diese natürlich nicht beantworten.

Wichtig ist, dass Sie sich während der Sitzung wohlfühlen und Ihnen die Psychologin bzw. der Psychologe zusagt und sympathisch ist. Schließlich werden in den Sitzungen sehr persönliche Angelegenheiten besprochen. Wenn Sie bereits von Beginn an ein schlechtes Gefühl haben, sollten Sie besser einen oder mehrere andere Therapeuten aufsuchen.

Wie wird man Psychologe/Psychologin?

Um als Psychologe bzw. Psychologin tätig zu werden, muss ein abgeschlossenes Universitätsstudium der Psychologie vorliegen. Mit einem Bachelorabschluss ist man lediglich dazu berechtigt, psychologische Tätigkeiten unselbstständig und unter fachlicher Anleitung auszuüben. Um in Österreich eigenverantwortlich als Psychologin oder Psychologe zu arbeiten, wird ein Masterabschluss benötigt. Viele der möglichen Berufsfelder verlangen nach dem Masterstudium eine zusätzliche Ausbildung und Spezialisierung – etwa Psychotherapie.

Unterschied zwischen Psychologe, Psychotherapeut und Psychiater

Alle drei Begriffe hängen eng mit der Psychotherapie zusammen. Oft werden sie synonym verwendet, doch das ist nicht korrekt. Sie unterscheiden sich in punkto Ausbildung, Tätigkeitsfeld, Behandlungsmethode und in ihren Befugnissen.

Psychologinnen und Psychologen haben ein abgeschlossenes Psychologie-Studium. Sie arbeiten in sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern (Wirtschaft, Gesundheitswesen, Marketing) mit dem Schwerpunkt Beratung und im Falle der Klinischen Psychologie in den Bereichen Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen. Für Spezialisierungen (Gesundheitspsychologie, klinische Psychologie) ist eine mehrjährige Weiterbildung erforderlich. Sie dürfen keine Medikamente verschreiben.

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten absolvieren eine mehrjährige Ausbildung. Manche haben ein Studium in unterschiedlichen Bereichen absolviert. Ihr Schwerpunkt ist die Therapie von psychischen Erkrankungen. Auch sie dürfen keine Medikamente verschreiben.

Psychiaterinnen und Psychiater haben Medizin studiert und sind Fachärzte/Fachärztinnen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin (die Psychotherapie-Ausbildung ist inkludiert). Sie beschäftigen sich mit der Diagnose und Behandlung von psychisch kranken Menschen und dürfen Medikamente verschreiben. Sie stellen die körperliche und medizinische Ursache der Erkrankung fest und behandeln diese mitunter medikamentös.

Wie viel verdient ein Psychologe?

Je nach Ausbildung, Berufserfahrung, Arbeitsform (freiberuflich versus angestellt), Arbeitgeber und Branche variiert das Einkommen von Psychologinnen und Psychologen stark. In der Wirtschaft verdient man in der Regel am besten. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt in Österreich liegt bei rund 40.000 Euro pro Jahr.

Zum Thema:

Die Corona-Sorgenhotline der Stadt Wien, täglich von 8 bis 20 Uhr, bietet Unterstützung und Beratung bei psychischen und sozialen Belastungen, erreichbar unter 01400053000.

Sie befinden sich in einer Krise? Bitte zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen!

kriseninterventionszentrum.at

Angehörige finden Informationen und Materialien unter suizidpraevention.at und agus-selbsthilfe.de.

Psychiatrische Soforthilfe: 01/313 30 (0 bis 24 Uhr)

Kriseninterventionszentrum: 01/406 95 95 (Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr erreichbar)

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

Telefonseelsorge: 142 (von 0 bis 24 Uhr erreichbar)

Mehr zum Thema